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Geschichte der CDU Neuenkirchen

von Heinrich Fischer erstellt
anläßlich des 50. Jubiläums (November 95)

Die Gründung der CDU Neuenkirchen vollzog sich in kleinen Einheiten "von unten", die mit zeitlichen Abständen überall im besetzten Deutschland die Keimzellen der späteren Mutterpartei bildeten. In Neuenkirchen fanden schon früh einige engagierte Bürger zusammen, die das Schicksal der Gemeinde nicht allein den englischen Besetzern überlassen wollten. Sie riefen bald einen neuen christlich orientierten politischen Ortsverband ins Leben, der durch sein Wirken die Gemeinde in den vergangenen 50 Jahren wie keine andere politische Kraft prägte.

Dies war Anlaß für die Jubiläumsfeierlichkeiten der CDU-Neuenkirchen am Samstag, 18. November 1995, im Saal Lorenbeck.

Ehrenvorsitzender, Zeitzeuge und Parteichronist Heinrich Fischer erinnete sich in einem Rückblick gemeinsam mit den Gästen an die Geschichte der CDU in Neuenkirchen. Nach Kriegsende gehörte Neuenkirchen zur englisch besetzten Zone und unterstand dem Statut der britischen Besatzungsmacht. Die Militärregierung setzte bald in allen Städten und Gemeinden kommissarische Bürgermeister aus der Mitte der Bevölkerung ein. In Neuenkirchen bestimmte sie schon kurz nach dem Einmarsch den Lehrer Karl Evers für diese Funktion. Laut Verfügung vom 26.5.1945 mußte dem Bürgermeister ein Beirat an die Seite gestellt werden. Neuenkirchen hatte damals 6.761 Einwohner, so daß ein fünfköpfiger Beirat bestellt wurde: August Kötte, Bernhard Wiesmann, Josef Gottke, Clemens Horstmann und Bernhard Albers waren die ersten Beiräte.

Ehemalige Mitglieder der Zentrumspartei, allen voran Karl Evers, Clemens Horstmann, Heinrich Löbbers und Josef Ewering, setzten sich bald für die Gründung einer neuen christlichen Partei in Neuenkirchen ein. Zuvor waren schon die Christlich Demokratische Partei (CDP) Westfalen/Lippe und ein CDP-Kreisverband im Altkreis Steinfurt ins Leben gerufen worden. Die Bildung von Ortsverbänden war nach dem Besatzungsstatut noch nicht gestattet. Daher wurde die CDP Neuenkirchen, später umbenannt in CDU, am 8.12.1945 zunächst inoffiziell gegründet.

Vor allem Versammlungen mußten daher vom Kreisverband bei der Militärregierung beantragt und verantwortlich geleitet werden. Im Gemeindearchiv existiert ein Genehmigungsschreiben, in dem den Herren Hilgenberg, Dr. Biermann und Rudnik aus Rheine die Genehmigung für eine Veranstaltung am 24.2.1946 in der Gastwirtschaft Lorenbeck erteilt wurde. Das Thema der Versammlung, an der bis zu 400 Personen teilnehmen durften, lautete "Grundsätze der Christlich Demokratischen Union und deren Ziele". Als Auflage wurde die Anwesenheit zweier Polizisten sowie die Auflistung aller Personen, die das Wort ergriffen hatten, in deutscher und englischer Sprache angeordnet.

Bereits am 13.2.1946 hatte die Gemeindeverwaltung einen Antrag der CDU, eine Ortsgruppe bilden zu dürfen, an den Landrat des Kreises Steinfurt weitergeleitet. Zu den erforderlichen Unter-lagen zählten die vorläufige Satzung, eine Liste der für ein Amt vorgeschlagenen Personen, eine Erklärung über die Höhe des Mitgliedsbeitrages sowie politische Fragebögen der Herren Heinrich Altehenger, Josef Gottke und Hugo Hüweler. Mit Schreiben vom 28.2.1946 teilte der Landrat dem Antragsteller Heinrich Altehenger mit, daß die Militärregierung die CDU-Ortsgruppe Neuenkir-chen mit Verfügung vom 22.2.1946 genehmigt habe.

Damit war Heinrich Altehenger der erste Vorsitzende der CDU-Neuenkirchen. Als Stellvertreter fungierte Josef Gottke, als Kassierer Hugo Hüweler.
Nun mußte die neue Partei Neuenkirchener als Mitglieder gewinnen. In allen Ortsteilen wurde nach Kräften geworben. Nicht nur Männer ließen sich aufnehmen, sondern auch einige Frauen traten der CDU bei. In Neuenkirchen ist also zu Recht nicht nur von Männern, sondern auch Frauen der ersten Stunde die Rede.

Mitte 1946 war der Demokratisierungsprozeß nach Einschätzung der britischen Militärregierung so weit fortgeschritten, daß sie für Oktober 1946 die ersten Gemeinderats- und Kreistagswahlen ansetzte. Der erste Wahlkampf begann. Im Rahmen von Wahlversammlungen in der damaligen Dorfbauerschaftsschule, in der Landersumer Schule und in den Gaststätten "42" und Lorenbeck machten Vorsitzender Heinrich Altehenger und Karl Evers die Neuenkirchener mit dem Programm der neuen christlichen Partei vertraut.

Auch die anderen Parteien waren nicht untätig. Der SPD wurde am 29.7.1946 die Genehmigung der Militärregierung erteilt, und das Zentrum ebenfalls im Juli 1946 neugegründet. Selbst die KPD hielt im September 1946 eine Wahlveranstaltung in Neuenkirchen ab.

Am Wahltag war nicht jeder volljährige Neuenkirchener wahlberechtigt: 50 Personen wurden wegen ihrer politischen Vergangenheit von der ersten Kommunalwahl ausgeschlossen.

Gleich im ersten Anlauf zog die CDU als größte Fraktion in den Gemeinderat ein. Von 18 Ratssitzen errang sie 16, die SPD zwei. Die ersten demokratisch gewählten Ratsmitglieder der CDU waren Josef Gottke, Heinrich Altehenger, Bernhard Lorenbeck, Karl Gehring, Josef Ewering, Heinrich Gehring, Karl Berning, Heinrich Löbbers, August Leifker, Clemens Wiggers, Heinrich Attermeyer, Karl Reinke, Clemens Horstmann, Karl Hinterding, August Tebbe und August Nieweler. Zum Bürgermeister wurde Josef Gottke gewählt. In den ersten Kreistag zogen für Neuenkirchen Clemens Horstmann und Josef Gottke ein.

Die nächste Kommunalwahl fand bereits am 17.10.1948 statt. Im Wahlkampf hatte der Neuenkirchener CDU-Ortsverband prominenten Besuch: Der spätere Bundeslandwirtschaftsminister und Bundespräsident Heinrich Lübke sowie der erste Bundesverteidigungsminister Theodor Blank nahmen an Wahlveranstaltungen teil. Dennoch fiel das Wahlergebnis für die CDU schlecht aus. Von 14 Mandaten erhielt die CDU nur sechs, die SPD drei, das Zentrum vier und die Unabhängigen eins. In den Kreistag zog Clemens Horstmann wieder ein und wurde zwei Jahre später in den Landtag gewählt, dem er bis 1966 angehörte.

Im Jahre 1951 wurde Bernhard Lorenbeck Bürgermeister. 1952 legte Heinrich Altehenger den Vorsitz nieder. Zum Nachfolger wählte die CDU Dr. August Mammes. Die Wahlergebnisse der CDU stiegen bei den Kommunalwahlen 1952, 1956, 1961 und 1964 stetig. Mit der Rektorin Klara Lödding wurde 1956 erstmals eine Frau Gemeinderatsmitglied. Im Jahre 1964 stellte sich Dr. August Mammes nicht mehr der Wiederwahl zum Vorsitzenden. Sein Nachfolger wurde Heinrich Fischer.

Nach den Kommunalwahlen im Jahr 1975 - von 33 Mandaten errang die CDU 25 - wählte der Gemeinderat Walter Schmiddem zum Bürgermeister. Nach 24 Jahren Amtszeit verlieh der Rat seinem Vorgänger Bernhard Lorenbeck den Titel "Ehrenbürgermeister". 1979 wählten die Ratsmitglieder Tonius Weiland zum Ersten Bürger Neuenkirchens. Bei den folgenden Kommunalwahlen verlor die CDU jeweils einige Sitze. Im Jahr 1989 - die CDU verfügte noch über 21 Sitze - wurde Tonius Weiland zum zweiten Mal in seinem Amt bestätigt, überließ aber noch während der laufenden Legislaturperiode die Amtsgeschäfte seinem Nachfolger Heinz Schürmann.

Nach der Kommunalwahl am 16.10.1994 verlor die CDU mit 16 Ratsmandaten die absolute Mehrheit wie im Jahre 1948, als sie dank fortgesetzter erfolgreicher Politik bald wieder deutlich höhere Wahlergebnisse erreichte.

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